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KGV einfach erklärt: Wann ist eine Aktie günstig?

Die bekannteste Bewertungskennzahl – was sie verrät und wo sie dich in die Irre führt.

„Die Aktie hat ein KGV von 15 – also ist sie günstig." Solche Sätze hört man oft. Sie sind nicht falsch, aber nur die halbe Wahrheit. Hier erfährst du, was das KGV wirklich aussagt.

Was ist das KGV?

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie:

KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie

Beispiel: Eine Aktie kostet 100 €, das Unternehmen verdient 5 € pro Aktie im Jahr. Das KGV ist 20. Anders gesagt: Du zahlst das 20-Fache des aktuellen Jahresgewinns.

Historisches vs. erwartetes KGV

  • Trailing-KGV: basiert auf dem Gewinn der letzten zwölf Monate. Fakten, aber Blick zurück.
  • Forward-KGV: basiert auf dem erwarteten Gewinn der nächsten zwölf Monate. Blick nach vorn, aber auf Schätzungen gebaut.

Für wachsende Unternehmen ist das Forward-KGV meist aussagekräftiger, weil der Aktienkurs die Zukunft handelt, nicht die Vergangenheit.

Was ist ein „gutes" KGV?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Grobe Orientierung:

KGVTypische Einordnung
unter 12niedrig – günstig oder mit Problemen behaftet
12–20im Rahmen vieler etablierter Unternehmen
20–35Wachstum wird bereits eingepreist
über 35hohe Erwartungen – wenig Spielraum für Enttäuschungen

Wichtiger als die absolute Zahl ist der Vergleich: mit der eigenen Historie der Aktie und mit Konkurrenten derselben Branche. Ein Softwarekonzern mit KGV 30 kann günstiger sein als ein Autobauer mit KGV 10.

Warum ein niedriges KGV kein Kaufsignal ist

Ein niedriges KGV hat oft einen Grund:

  • Schrumpfende Gewinne: Der Markt erwartet, dass der Gewinn sinkt. Dann ist das KGV nur heute niedrig.
  • Einmaleffekte: Ein Grundstücksverkauf bläht den Gewinn einmalig auf – das KGV sieht künstlich günstig aus.
  • Zyklische Branchen: Bei Rohstoff- oder Chipfirmen ist das KGV am Höhepunkt des Zyklus oft am niedrigsten – ausgerechnet dann, wenn es danach bergab geht.

Man spricht von einer Value-Falle: Die Aktie sieht billig aus und bleibt es – oder wird noch billiger.

Das KGV im Zusammenspiel

Das KGV allein reicht nie. Sinnvoll wird es erst zusammen mit:

  • Gewinnwachstum – das PEG-Verhältnis (KGV ÷ Wachstumsrate) hilft, Wachstum einzupreisen
  • Cashflow – kommt der Gewinn auch als Geld in der Kasse an?
  • Margen und Verschuldung – wie robust ist das Geschäft?
  • Analysten-Revisionen – steigen oder fallen die Gewinnschätzungen gerade?

Genau so gehen wir im Aktienkreis vor: Die Note A–F beschreibt die Qualität eines Unternehmens, die Kaufzone sagt, bis zu welchem Preis es aus unserer Sicht attraktiv ist.

Fazit

Das KGV ist ein nützlicher erster Filter, aber kein Urteil. Nutze es zum Vergleichen, frag immer nach dem Warum hinter einer auffälligen Zahl und kombiniere es mit Wachstum und Qualität.

Keine Anlageberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Kapitalanlagen bergen Risiken bis zum Totalverlust. Keine Anlageberatung. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.

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